Thoraxwand-Deformitäten (Trichterbrust-Kielbrust)

Überwiegend sind Jungen von Fehlbildungen der vorderen Brustwand, im Sinne einer Trichter- (Pectus excavatum) oder Kielbrust (Pectus carinatum) betroffen. Die Trichterbrustdeformität wird mit etwa 1:100 bis 1:400 relativ häufig gesehen, wo hingegen Kielbrustbildungen mit seinen Mischformen etwa 6- bis 10-mal seltener als Trichterbrustfehlbildungen sind.

Die Ätiologie dieser Deformitäten ist unklar, aufgrund der häufigen familiären Disposition ist jedoch eine genetische Ursache sehr wahrscheinlich. Die meisten Fehlbildungen werden innerhalb des ersten Lebensjahres diagnostiziert, führen jedoch nur bei starker Verminderung des transversalen Thoraxdurchmessers zu Einschränkungen der kardiopulmonalen Leistungsdaten. Da der individuellen Leidensdruck der oftmals jungen Patienten jedoch sehr hoch sein kann,  leitet sich daraus die Indikation zu einem operativen Eingriff ab.

Als wesentliches Prinzip in der Behandlung setzte sich in der Vergangenheit der offene Zugangsweg zum Brustbein mit Freilegung, Durchtrennung und Kürzung der Rippenknorpel im Ansatzbereich zum Brustbein durch. Dabei lässt sich das Brustbein entweder anheben, um eine Trichterbildung auszugleichen, oder aber, im Falle einer Kielbrust, absenken. Bis zur knöchernen Ausheilung muss das Operationsergebnis für einige Monate mittels Metallimplantaten oder Kunststoffnetzen stabilisiert werden.

Heute hat sich zur Korrektur der Trichterbrust überwiegend das Verfahren nach Donald NUSS durchgesetzt. Dabei werden unter Videokontrolle eine oder zwei Stützplatten unterhalb des Brustbeines eingesetzt, die die Trichterbildung anheben und diesen Zustand dauerhaft korrigieren. Der Vorteil dieser Methode liegt in der Modellierung der Brustwandkontur unter Vermeidung resezierender Verfahren. Auch bei diesem Verfahren müssen die Implantate für längere Zeit (2 - 3 Jahre) im Körper belassen werden, um eine dauerhafte Stabilisierung des Operationsergebnisses zu erreichen. Die Langzeitergebnisse werden dabei mit über 80 % als gut bis sehr gut beurteilt.

Bei nur leichten und mäßigen Ausprägungen der Trichter- oder Kielbrust sollte die Entwicklung in der Pubertät abgewartet werden, da Brustdrüsenentwicklung und Entwicklung der Brustmuskulatur die Notwendigkeit einer operativen Korrektur relativieren können.

Bei stärkeren Ausprägungen bietet die Operation im Jugendalter den Vorteil eines elastischeren Skelettsystems mit besserer Modellierbarkeit, v. a. für das NUSS-Verfahren. Des Weiteren können mit einer frühzeitigen Korrekturoperation Probleme der Körperempfindung, wie sie in der Pubertät Bedeutung gewinnen, günstig beeinflusst werden.